Propriozeption - das effektive Schlechtwettertraining

 

Informiert man sich im Internet ein wenig über gesundes Pferdetraining, stolpert man hin und wieder über das propriozeptive Training. Ein Wort welches man schon fast Buchstabieren muss um es korrekt auszusprechen, und hätte ich nicht in meiner Ausbildung bereits davon gehört, müsste ich wohl Googeln um dieses Wort auch zu verstehen. Um es euch etwas leichter zu machen, versuche ich es auf einfache Art und Weise zu erklären:

 

Propriozeptoren

Ist ein Pferd in Bewegung, weiss sein Körper ganz genau was er gerade macht und in welcher Position er sich befindet. Dafür gibt es Sensoren, die sogenannten Propriozeptoren, die sich vor allem in Bänder, Sehnen und Gelenkskapseln befinden.  Es sind also sogenannte „Bewegungsfühler“, welche Bewegungen über das Rückenmark und die Nervenbahnen an das Gehirn weiterleiten.

 

Sollte es also mal passieren dass ein Pferd stolpert, erkennen das die Sensoren normalerweise sofort. Diese Information wird direkt über die Nervenbahnen an den betroffenen Muskel weitergeleitet. Der Muskel erhält also quasi den Befehl, die Haltung zu regulieren, bzw. stabilisieren um das Gleichgewicht wieder herzustellen damit das Pferd nach dem Stolpern nicht hinfällt und sich verletzt.

 

Diese Haltungs- und Bewegungskontrolle ist also eine Schutzfunktion für den Körper und Gelenke.

 

Sind diese Sensoren inaktiv, sei es z.B. nach langer Stehzeit in der Box, Krankheit, Operation etc., ist die Aktivierung dieser Rezeptoren erstes Ziel. Aber auch bei trainierten Pferden ist dieses Training eine hervorragende Unterstützung und Prophylaxe.

 

Was passiert bei diesem Training?

Besonders viele Propriozeptoren befinden sich in der tiefliegenden Muskulatur. Diese ist vor allem für die Stabilisation, Balance und Feinmotorik zuständig und befindet sich direkt um die Wirbelsäule oder Gelenke und stehen so in direktem Kontakt mit den  Gelenkskapseln und Bänder.

 

Da es sich beim propriozeptiven Training um ein Training auf unstabilen Untergründen handelt, muss der Körper dabei Ausgleichsbewegungen einleiten um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.  Dabei werden nun die zuständigen Rezeptoren aktiviert, das Zusammenspiel verschiedener Muskeln trainiert und zusätzlich die Gelenke stabilisiert. Dadurch wird auch die Balance und die Koordination direkt angesprochen und wirkt lösend für tiefere Strukturen.

 

Es fördert:

  • die Wahrnehmung und das Körpergefühl
  • die Balance, Trittsicherheit und Losgelassenheit
  • die Kontraktion der Muskeln um das Gelenk zum richtigen Zeitpunkt zu stabilisieren
  • die Stärkung der Tiefenmuskulatur
  • beugt Verletzungen vor, etc.

  

Wie lässt sich dieses Training beim Pferd am besten ausführen: 

  • Physiopads (Balancepads) 
  • spazieren auf unterschiedlichen Bodenverhältnissen (Beton, Sand, Kies, Rasen, Holz, Gummimatten, Gelände)
  • Schaumstoffmatratze
  • Fallschutzmatte
  • Wippentraining etc. 

 

Wann ist Vorsicht geboten: 

 

Grundsätzlich macht es immer Sinn, das Training vorher mit einem Therapeuten oder dazu geschulten Trainer zu besprechen. Hat das Pferd nämlich gewisse Einschränkungen oder Erkrankungen kann ein unsachgemässes Training durchaus auch gesundheitsschädigend sein.

 

Besondere Vorsicht geboten ist bei (Rücksprache mit Tierarzt oder Therapeut):

  • Pferde mit Ataxie
  • Pferde mit Sehnenschaden
  • Arthrose
  • allg. Verletzungen etc. 

 

Das Fazit: 

Regelmässig angewendet ist das propriozeptive Training  eine effektive Trainingsmethode ohne das Pferd „viel bewegt“ zu haben – es ist also auch bestens für ein Schlechtwetterprogramm geeignet J